Hörprobe von Matt Merchers Aufnahmen zum „Iron Falcon“
13/12/2019

Die Geschichte der interaktiven Spielbücher – vom Buch zur Voice-App

 

 

Spielbücher sind eine spannende Sache! Aber wer sich heute dazu entschließt, zum Beispiel entweder im Auto oder im Bett, ein interaktives Hörbuch zu genießen und die Protagonisten mit seinen Entscheidungen durch bunte Welten zu schicken, macht sich sicherlich vergleichsweise wenige Gedanken darüber, wie lange es brauchte, bis er seine Lieblingsgeschichten nicht nur lesen, sondern auch hören und steuern konnte.

Egal, ob sich die Spielbuchfassung direkt an einem vorliegenden Buch orientiert oder ob sie im Zuge des Hörkomforts ein wenig abgeändert wurde: interaktive Hörbücher lassen sich hervorragend dazu nutzen, um in fremde Welten einzutauchen… und gleichzeitig zum Beispiel den Abwasch zu erledigen.

Im Laufe der Zeit haben sich die Abenteuer deutlich weiterentwickelt und sind mittlerweile in zahlreichen Varianten verfügbar.

Doch wie gestaltete sich eigentlich der Weg vom Spielbuch zum interaktiven Hörbuch? Welche Zäsuren machen den Reiz der Bücher aus und inwieweit hängen die unterschiedlichen Entwicklungsschritte eigentlich zusammen? Fest steht: die Geschichte der interaktiven Geschichten ist sicherlich spannender (und abwechslungsreicher), als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag.

Das Spielbuch als Schöpfung der 1960er Jahre

Wer sich heutzutage mit der Erfindung der interaktiven Hörbücher befasst, wird oft unweigerlich auch mit dem sogenannten Spielbuch konfrontiert. Doch worum handelt es sich hierbei eigentlich genau?

Ein Spielbuch charakterisiert sich dadurch, dass es in verschiedene Abschnitte aufgeteilt wird. Die „Aufgabe“ des Lesers bzw. Hörers ist es, sich an verschiedenen Stellen zu entscheiden, wie die Hauptperson verfahren soll. Auf Basis der entsprechenden Entscheidung geht die Geschichte dann weiter. Dementsprechend liegt auch das Ende des Buches in seiner Hand. Im schlimmsten Fall kann er den Protagonisten sogar in den Tod führen.

Das erste Spielbuch, das mit den heutigen Werken verglichen werden kann, wurde zum Beginn der 1960er Jahre von Raymond Queneau veröffentlicht und hörte auf den Titel „Un conte à votre façon“. Der Trend riss nicht ab und schaffte unter anderem auch den Sprung über den „Großen Teich“. 1976 veröffentliche Edward Packard hier das Werk „Sugarcane Island“. Derselbe Autor war es übrigens auch, der die Spielbuchreihe Choose Your Own Adventure ins Leben rief.

 

Computerspiele mit Spielbuchcharakter

Im Laufe der Zeit – vor allem zum Beginn der 2000er Jahre – verschwammen die Grenzen zwischen Buch und Spiel immer weiter. Besonders bekannt sind hier die offensichtlichen Verbindungen zu Dungeons & Dragons. Eines der bekanntesten deutschen Beispiele für einen Mix aus Spielbuch und klassischem Spiel ist „Das Schwarze Auge“.

Besagte Überschneidungen zeigten sich dann auch vergleichsweise schnell in der Welt der PC-Spiele. Kein Wunder! Gerade hier lassen sich tolle Geschichten auf der Basis eigener Entscheidungen aufbauen. Wer sich für die entsprechenden Games interessiert, sollte sich in der Kategorie „Interactive Fiction“ umsehen. Das erste PC-Spiel dieser Art kam zum Ende der 1970er Jahre auf den Markt und hörte auf den Titel „Kadath“.

Den absoluten Durchbruch schafften die Games dann jedoch unter anderem mit „Twine“, einem besonderen Autorensystem, das das Realisieren von Spielbüchern auch für „Nicht-PC-Experten“ noch einfacher werden ließ.

Aufgrund der gesteigerten Nachfrage wurde der Markt von vielen weiteren Spielen geflutet. Einige von ihnen, wie zum Beispiel „Mass Effect“, „KotoR“ oder „Fall Out“ haben sich zu echten Klassikern der Szene entwickelt.

 

Spielbücher auf dem Smartphone

Auch das Internet hat selbstverständlich den Umgang mit interaktiven Spielbüchern bzw. den dazugehörigen Spielen verändert. Immerhin können die betreffenden Geschichten nun ganz einfach heruntergeladen und – je nach Präferenz – auch mobil über die entsprechenden Endgeräte genossen werden.

Vor allem der Videospielentwickler „Choice of Games“ erweist sich hierbei als einer der klassischen Vorreiter. Er bietet seinen Kunden ein breitgefächertes Spielportfolio aus den unterschiedlichsten Bereichen. Hier darf gelesen, geraten und entschieden werden. Egal, ob Drama oder Belletristik: jeder dürfte auf seine Kosten kommen.

Auch der Anbieter „Delight Games“ ist auf dem Gebiet der Spielbücher aktiv und kann eine beachtliche Downloadzahl von mehr als 10 Millionen vorweisen. Aktuell hat der Spieler bzw. Leser hier die Möglichkeit, sich zwischen mehr als 60 verschiedenen Spielerlebnissen zu entscheiden.

Der Vorteil der mobilen Variante: mit den Spielbüchern über das Smartphone kann die Handlung flexibel fortgeführt werden. Egal, ob im Bus oder beim Sport: es braucht lediglich die entsprechende App und eine stabile Internetverbindung.

 

Interaktive Spielbücher für Voice – mitfiebern, entscheiden und taktisch agieren

Die Spielbücher für Voice, die es dem Hörer erlauben, per Sprachsteuerung selbst in die Handlung einzugreifen, stellen in gewisser Weise das Ende einer beeindruckenden Entwicklung dar, die ihren Ursprung im gedruckten Spielbuch fand und sich immer mehr an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst hat.

Seit 2017 spielen interaktive Hörbücher, unter anderem von Ear Reality, auch in Deutschland eine große Rolle. Damit der Mix aus spannender Handlung, den entsprechenden Entscheidungen des Lesers und einem überzeugenden Hörvergnügen auch gelingen kann, basieren die entsprechenden Angebote auf Künstlicher Intelligenz.

Im Zusammenhang mit Alexa und Co. genügt hier ein einfacher Sprach-Befehl, um die Abenteurer auf neue (oder altbekannte Wege) zu schicken.

Ausgestattet mit den passenden Skills kommen hier kleine und große Spielbuch- und interaktive Hörbuchfans auf ihre Kosten.